Südtirol - Strada del Vino -  Sept 2025

Schlemmen mit allen Sinnen - Panorama, Kulturlandschaften, fantastisches Essen und großartige Weingüter, Burgen und Schlösser

Samstag - Der Einstieg

Wir verlassen Recklinghausen um 7 Uhr morgens und erreichen Meran nach knapp 12 Stunden Fahrt in tiefhängenden Wolken und beginnen den Abend direkt mit dem ersten Dinner im Hotel. Wir treffen uns dort mit den M&M´s, die aus der Toskana zu uns stoßen und verbringen die Woche zu viert.

Zum hervorragenden Menü gönnen wir uns zuerst den Sauv Blanc Winkel der Cantina Terlan 2024 (22€) ein Hammer an Geschmeidigkeit und Würze. Holunder, Grapefruit, Zitrusnoten und Kräuteraromen. 9.5. Die Cantina Terlan wurde 1893 gegründet und zählt zu den ältesten Kellereien des Alto Adige.

 

Zum geschmorten Rind folgt anschließend der Prestige Lagrein Grieser der Kellerei Bozen aus dem Jahr 2021 (27€). Dicht und voller Schokogenuss. Waldbeeren. Rund und geschmeidig. Dabei nicht klebrig, dafür aber ausgewogen. 9,6.

Perfekter Einstieg - gleich am ersten Abend gelungen.

 

Sonntag - Der Auslauf

Am späten Vormittag verziehen sich wie angekündigt die Wolken aus dem Tal. Und so starten wir zu unserer ersten Wanderung bei schönstem Wetter über den Tappeinerweg oberhalb von Meran. Die Aussicht über die Stadt und die glatte Tiefebene mit ihrem Meer an Apfelplantagen ist einfach grandios.
Nach einer Stärkung im Café Unterweger geht’s mit dem e-Bus zurück nach Meran. Wir schlendern durch die wunderschöne Stadt, die trotz geschlossener Geschäfte proppenvoll ist. In einem der wenigen geöffneten Speck & Käse Geschäfte decken wir uns mit einem kleinen Vorrat Südtiroler Weine ein, die wir in den nächsten Abenden auf unserer Terrasse genießen wollen.
Den Nachmittag verbringen wir mit ein paar Getränken am Pool und freuen uns auf das nächste Dinner.

Zur Wurzelgemüse Suppe gönnen wir uns den Lagrein Rosé Kretzer 2024 von Muri Gries (12€). Helles, aber kräftiges Kirschrot. Jung, frisch, voll, erdbeerig, Jo-Beeren, trocken. 9,2.
 

Anschließend gibt’s den St Magdalener Antheos 2023 vom Weingut Ansitz Waldgries (25€). Fruchtig, blumig, leichter Rotwein aus der autochthonen St Magdalener Rebe. Es dominieren Kirsche und Mandeln. Ein toller Begleiter zum rosa gebratenen Iron Flat Steak. 9,2. Als Solist vergeben wir für diesen Wein eine 8,5.
Damit hatten wir unseren ersten St Magdalener im Glas. Dabei handelt es sich um Vernatsch (in Baden-Württemberg auch Trollinger genannt), der mit bis zu 15% anderen Trauben verschnitten werden darf. I.d.R. bietet sich dazu der ebenfalls Regionen typische Lagrein an. Der Lagrein Anteil ist für die Würze im St Magdalener verantwortlich. Der Lagrein Anteil des Antheos ist uns nicht bekannt, geschmacklich ist er uns jedoch nicht hoch genug.

Wir beschließen den Abend mit der Lagrein Riserva Urban 2021 der Cantina Tramin (35€) auf unserer Terrasse. Was für ein irrer Rotwein. Dunkle Beerenfrucht, Schokolade, engmaschiges Tannin. Kompakt und extrem ausdrucksstark sollte die Flasche nie zu Ende gehen. Doch leider ist so etwas ja immer nur ein Traum. 9,8.

 

Montag - Genuss & Kultur

Wir müssen noch mal nach Meran, schließlich haben heute die Geschäfte auf. Wir folgen dem Sissi Weg in die Innenstadt und so landen wir von Geisterhand geführt im Genussmarkt Pur Südtirol, DEM Delikatessen Laden in Meran. Schinken in allen Variationen so weit das Auge reicht. Käse und Brot und natürlich Weine aus Südtirol. Das ganze zum Kauf oder sofortigen Verzehr vor Ort. Spontan beschließen wir in diesem Genusstempel unsere Mittgasvesper einzunehmen. Wir wählen die - zugegebenermaßen recht üppige - Schinken Degustationsplatte mit diversen Tiroler Schinken und Brotsorten. So gestärkt kann das Shoppen weiter gehen … 

Während die Damen die Geschäfte der Innenstadt also weiter unsicher machen, schlendern Martin und ich zum außerhalb liegenden Meraner Weinhaus. Es gibt praktisch ganz Tirol hier zu kaufen. In einem separaten Bereich befindet sich ein Verkostungsraum mit by-the-glass Probierautomaten und insgesamt 36 Weinen. Sehr verlockend. Leider wird die Argon Überlagerung zum Zeitpunkt unseres Besuches nicht genutzt. Die Kopfnoten der im Ausschank befindlichen Weine sind allesamt nicht mehr existent, so dass eine vernünftige Verkostung leider nicht möglich ist. Sehr bedauerlich!
Und so decke ich mich mit 3 Weinen ein, die nicht im Ausschank sind, die ich aber wegen eines traumhaften Wein-Erlebnis im Vini di Vini für unsere abendlichen Verkostungen mit nehme.

Mit dem Bus geht’s wieder den Berg hinauf zum Hotel und auf einen Abstecher zum Nachmittag Spaziergang in die Botanischen Gärten von Schloss Trauttmansdorff, dem ehemaligen Schloss von Kaiserin Elisabeth. Das 12ha große Gelände liegt in einer hügeligen Landschaft am Ortsrand von Meran und bietet neben der Blumenwelt zum Teil spektakuläre Aussichten über das Tal von Meran.

Wir freuen uns auf das Highlight des Abends, we call it „The Dinner“: 


Zum Meeresfrüchte Salat und Rindercarpaccio trinken wir den Sauv Blanc Moc, 2024 der Kellerei Bozen (15€). Hochintensive Heu Noten in der Nase. Sauber und klar im Glas. Pfirsich, Kiwi. Erinnert stark an einen neuseeländischen Sauv Blanc. 9,2.
 

Zur gegarten Kaninchenroulade mit Speck gönnen wir uns den Lagrein Riserva, 2020 von der Abtei Muri Gries (30€) aus Bozen. Dunkles Kamin Rot im Glas. In der Nase ein aromatisches Feuerwerk aus Karamell, Tabak und Waldbeeren. Am Gaumen sehr dicht und super cremig. 9,7. Ein Wein, der uns sofort verführt unsere Weingutsplanung umzustellen. 

Wir beschließen den Abend wieder auf unserer Terrasse, dieses Mal mit einem St Magdalener Tradition, 2024 (15€) von der Cantina Terlan. Ein mittelschwerer Rotwein mit stark betonten Kirscharomen in Mund und Nase. Nett. 8,7.

 

Dienstag - Bozen Teil 1 - die Außenbezirke und der Lagrein

Die Innenstadt von Bozen sollte man mit dem Auto meiden. Es sei denn man fährt einen Mini und schert sich nicht um Beulen. Bozen Zentrum ist da ähnlich wie manch französische Stadt. Da die Weingüter Bozens am Stadtrand liegen lässt sich das aber ganz gut mit dem Auto erledigen. Bozen ist DAS Lagrein Land im Alto Adige weil es durch seine Kessellage deutlich wärmer ist als die Bereiche der Strada del Vino oder auch Meran. Und so sind wir gespannt auf das, was wir heute verkosten dürfen.

Wir fahren zum Klosterweingut Muri Gries


Nach dem Besuch kaufen wir auf Empfehlung von Muri Gries beim benachbarten Metzger noch Tiroler Speck in „Riserva“ Qualität, lassen ihn einschweißen und freuen uns auf den Genuss in der Heimat.

Wir verlassen den Ortsteil Gries und wollen zur Seilbahn Bozen. Dazu muss man einmal quer durch die Stadt fahren. Wir quälen uns durch das Dickicht aus engen Gassen und Einbahnstraßen. 

Mit der Gondel geht’s von 262m zum Rittner Hochplateau auf 1200m. Wir steigen um in die Bahn die Oberbozen mit Klobenstein verbindet. Wir sitzen in Fahrtrichtung rechts und genießen die perfekte Aussicht auf die Dolomiten in der Ferne.

In Klobenstein wandern wir zu den Erdpyramiden - Bryce Canyon lässt grüßen - und legen einen Mittagsstop im Touristen Magnet Sporthotel Spoegler ein. 

Auf dem Rückweg gehen wir in unseren Sportschuhen und natürlich ohne Gepäck an den ganzen perfekt ausgestatteten Wandersleuten vorbei. Wir fühlen uns ein wenig, wie außerirdische Wesen, die so gar nicht in das Modeschema auf 1200m passen. Ein Mode-Trend, der sich uns allerdings nicht erschließt.

Es war ein genussvoller Ausflug in die Höhenlagen von Bozen. Weniger wegen der Erdpyramiden als der z.T. spektakulären Aussicht auf die Dolomiten. Die Sellaronda liegt mit ihrem Relief zum Greifen nah vor uns.

 

Wieder im Tal geht’s noch zur Kellerei Bozen. Das architektonische Highlight liegt ebenfalls am Ortsrand von Bozen in der Nähe von Muri Gries. 

Kellerei Bozen

 

Wir verlassen das Weingut mit ein paar Kisten Wein und sind gegen 19U wieder im Hotel. Jetzt aber schnell zum Dinner …

Zu geschmorten Kalbsbäckchen gibt es heute Abend einen Lagrein vom Weingut Kornell.

Kornell, Südtirol DOC, Staffes Lagrein Riserva, 2021 (27€)
Ein würzig, vollmundiger Lagrein. Dunkelbeerig, Schoko & Lakritz, samtig und lang ist er die perfekte Begleitung zu unseren geschmorten Kalbsbäckchen. 9,8.

Zum üblichen Absacker auf der Terrasse gönnen wir uns eine Stoan 2023 von der Cantina Tramin (28€). Die Cuvée aus 65 % Chardonnay, 20 % Sauvignon Blanc, 10 % Weißburgunder und 5 % Gewürztraminer kommt mit einer unglaubliche intensiven Nase nach kandiertem Obst und Vanille. Im Mund unendliche Cremigkeit. 9,8.

 

Mittwoch - Bozen Teil 2 - Die Stadt

Nach dem Frühstück geht’s mit der Bahn nach Bozen. Wir versuchen unserer self-guided Tour aus dem Reiseführer entlang der Sehenswürdigkeiten der Stadt zu folgen. Das Vorhaben entpuppt sich allerdings als schwierig, da die Damen sich im Zick Zack Kurs durch die Geschäfte der Innenstadt lavieren. 
Im Verlaufe des Tages wird Bozen immer voller. Es erscheint uns ähnlich voll wie Palma in der Hochsaison. Erst nach dem Mittagessen gegen 15U wird die Stadt wieder etwas leerer. Durchatmen. Die Altstadt ist sicherlich wunderschön, uns jedoch deutlich zu touristisch und überlaufen - zumindest an unserem Besuchstag.


Inmitten des ganzen Rummel finden wir Platz zum Mittagessen im Forstbräu Bozen.  Eine Oase der Ruhe mitten in der Stadt. Wir sitzen draußen und genießen gefüllte Ravioli und Risotto bei einem Glas Weißburgunder der Kellerei Bozen. Toller Service inklusive. Wunderbar. 
Vor der Bahnfahrt zurück nach Meran lassen wir auf dem Waltherplatz noch ein wenig die Seele baumeln und beobachten, wie sich das Farbspiel der bunten Fliesen auf dem Dach des Doms in der untergehenden Sonne verändert.

Zurück im Hotel freuen wir uns wieder auf ein leckeres Abendmenü, zu dem wir erstmals eine Tiroler Cuveé trinken. 

Schreckbichl, Cornelius, 2019 (21€)
Die Cuveé aus Merlot und Cab Sauv liegt in tief dunklem Granatrot im Glas. In Mund und Nase unendlich viel Kakao, Schokolade und dazu Kräuternoten. Im Mund dunkle Beeren Aromatik. Ein hoch intensiver und samtig, dichter Wein. Voll die maskuline Geschmacksbombe. 9,8.

Später auf unserer Terrasse gibts wieder den all abendlichen Absacker Wein:

Erbhof Unterganzner, St Magdalener, Klassisch, 2022 (20€)
Wir haben einen super weichen und cremigen Vernatsch (Trollinger) im Glas. Geschmacklich dominieren saftige Sauerkirsche und Vanille. Das Säuregerüst des hoch aromatischen Wein ist durchaus merkbar und erinnert fast an einen Pinot. 9,3.

Donnerstag Südtiroler Weinstraße incl Manincor und Cantina Tramin

Heute fahren wir entlang der Südtiroler Weinstraße und starten mit dem schönen Wein-Dörfchen St. Michael.
Nach einem kurzen aber entspannten Rundgang geht’s weiter nach Girlan. Der Ort ist komplett verschlafen und trotz des kleinen Marktes nicht sonderlich attraktiv.
Also fahren wir weiter zur Mendelbahn in Kaltern. Mit der Bahn geht’s den steilen Berg hoch auf den Mendelpass. Die atemraubend steile Bahnfahrt hat sich gelohnt. Der Blick von oben auf das Alto Adige ist wahnsinnig schön. 

 

Von hier geht’s weiter die kurze Strecke bis zum Kalterer See. Auf Empfehlung kehren wir nicht am touristischen See ein, sondern am 200m zurück versetzten fast unscheinbaren und wenig touristischen Gasthof Panholzer
Es wird das beste Mittagessen der ganzen Woche. Wir sitzen im Hofgarten mit Blick auf die Weinberge und die Bergkulisse hinter dem Kalterer See. Wir sind uns einig, dass es sich schon allein wegen der Aussicht gelohnt hat. Essen und die passende Weinbegleitung setzten das I-Tüpfelchen auf unsere emotionale Betroffenheit. Wahnsinn. 

 

Nach dem Essen geht’s zum kurzen Verdauungswalk ans Seeufer und dann sofort weiter zum Weingut Manincor. Manincor gehört seit Jahren zu den höchstbewerteten Kellereien Südtirols, und das auch noch biozertifiziert. Wir sind gespannt.

 

Manincor

 

Wir verlassen mit unseren Kisten das Weingut und müssen uns schon fast sputen damit wir es pünktlich zum Termin bei der Cantina Tramin schaffen. 

Cantina Tramin

Auch bei Tramin genießen wir eine tolle Führung und Verkostung. Wieder extrem bodenständig und authentisch. 

All in All war es ein grandioser Tag auf der Strada del Vino.

Wir fahren vollgepackt mit Emotionen und Eindrücken zurück zum Hotel. Wir sind spät dran. Kurz duschen und ab zum Apero an die Bar. Das letzte Dinner mit M&M war wieder einmal herausragend inclusive der beiden für heute Abend gewählten Weine.

 

Zur Antipasti und zum Risotto trinken wir einen Amos 2020.

Kellerei Kurtatsch, Amos, 2020 (26€).
Die Trauben der Cuveé aus Weißburgunder, Chardonnay, Pinot Grigio, Riesling und Sauvignon Blanc wachsen in den Höhenlagen der Alto Adige auf 600 - 900m. Nach dem Ausbau in Edelstahl, reift die Cuveé für 15 Mo im großen Holz. Kräftiges Strohgelb. In der Nase weißen Blüten, Pfirsich, etwas Pfeffer. Am Gaumen eleganter Schmelz, mit schöner Frische. Perfekt strukturiert und ausbalanciert. Das kunstvolle Etikett passt zum Credo dieser Cuveé. 9,7.

 

Zur Lammlachse mit Pastinaken Püree harmoniert der Amistar perfekt.

Tenuta Peter Sölva, Amistar, 2021 (35€)
Die Cuveé aus Cab Sauv, Merlot und Lagrein enthält bis zu 5% Trockenbeeren (am Stamm getrocknet). Dunkles Granatrot im Glas. Den Wein braucht man gar nicht trinken. Riechen reicht. Hoch intensiver Beerenmix in der Nase, plus Schoko und Speck. Im Mund extrem dicht und differenziert. Perfekte Balance aus Beerenkompott und würzigen Noten. Ein absolutes Kraftpaket, ohne dabei klebrig zu werden. 9,9.

 

Freitag - Relaxen

 

Den Vormittag schlendern wir über den größten Markt Südtirols der sich über ca. 1km zwischen Hbf. und Innenstadt schlängelt. Aufgebaut wie in Sanary-sur-Mer mit Lebensmitteln und Klamotten im wilden Mix. Das Flair beider Märkte ist aber komplett unterschiedlich. Und das liegt nicht nur an der Filmkulisse Berge hier und Meer dort.

Auf Empfehlung kehren wir zum Mittagessen im Primus Garden Bistro ein und genießen Octopus Panzanella Salat und Risotto mit Hirschfilet und Lagrein Reduktion. Ein grandioser Abschluss unserer Südtirol Tour.

Den Rest des Tages relaxen wir am Pool. 

Samstag - doch nochmal ein Weingut !

 

Bevor wir uns auf die mühsame Rückfahrt begeben, machen wir doch noch einen Abstecher auf ein letztes Weingut. 

Die Kellerei Kurtatsch liegt ja quasi auf dem Rückweg. Von Meran gehts nach Bozen und dann nur noch mal kurz auf die Strada del Vino. Nur wegen des Amos zu stoppen wäre ja Quatsch gewesen. Und so verkosten wir uns peu-a-peu durch das Sortiment. Wir packen uns eine Kiste zur späteren intensiveren Verkosten zu Hause ein. 

  

Die Rückfahrt dauert fast unendlich. 14h mit durchgehendem Stau von Bozen bis Innsbruck und dann noch mal bei der Einreise nach Deutschland. Genug Zeit über die großartige Weinreise schon während der Rückfahrt zu reflektieren.