Die Fressbox - März 2021

     Es ist Lockdown. Unsere großen Kochevents finden schon seit geraumer Zeit nicht mehr statt. Wir könnten natürlich auch mal für schlappe 4 Personen kochen, oder wir lassen uns mal wieder durch einen Lieferdienst verwöhnen.

Martin und ich schließen uns kurz. Selber kochen? 5 Gang Menü? Och, es kommt ja keiner und nur für uns 4…….  

Es ist Lockdown und die Menübox Angebote sprießen aus dem Boden. Also warum versuchen wir nicht mal ein Sternemenü aus der Box.


Zur Auswahl standen die Starchefbox von Alexander Herrmann und die Genusbox von Nelson Müller. 

 

 

Wir entschlossen uns das Menü von Nelson Müller zu testen, weil wir in der Vergangenheit schon mehrfach in seinem Lokal waren und eigentlich immer von seinen Menüs begeistert waren. Rein inhaltlich las sich sein Angebot auch deutlich besser als jenes der StarchefBox. Klar macht auch Nelsons Menü Abstriche an die Sterneküche. Es liest sich aber doch eine Spur eleganter, bietet einen Gang mehr und kostet darüber hinaus auch noch etwas weniger. Der Preis war für unsere Entscheidung nicht ausschlaggebend. Störend bei der StarchefBox ist der angebotene Wein zum Essen. Surf & Turf und eine Pulle Wein. Das hat ein bisschen was von einer Flasche Cola zum Pizzataxi. Ja ok, das ist nicht ganz fair, aber mal ehrlich ich bestelle nicht ein Menü bei einem Sternekoch um als Beigabe eine beziehungslose Flasche Wein geliefert zu bekommen.

 

 

     Nelson`s Dinner For Tow Box wandelten wir also kurzerhand in eine Dinner For Four Lieferung um. Das Auspacken der beiden gut verpackten Kartons hatte ein bisschen was von Weihnachten. Leider war ich bei der Bescherung nicht dabei. Martin konnte sich nicht bremsen und musste schon mal ohne mich die Päckchen enthüllen 🤪. Na klar, ich bekam auch prompt ein paar hübsche Bilder geschickt..... "Schau mal Udo alles da, wie hübsch, ich freu mich" .... na toll, da ist Corona, die großen Kochevents der DeKuckies Gruppe finden seit einem Jahr nicht satt. Stattdessen kommt es zu einer Ersatzhandlung mit Sterneessen aus der Tüte, und was macht Martin!!!??? Er packt das Geschenk ohne MICH aus !! 🙄

 

Und wisst ihr was? Ganz ehrlich, wir beide sind so auf Kochentzug, wenn die Kisten zu mir geliefert wären, hätte ich sie auch direkt aufgerissen. Vermutlich hätte ich mich kaum bremsen können und hätte auch direkt mal ne Tüte geöffnet und von der Vorspeise genascht 🤣. Gut das ich nicht bestellt habe.

 

Zur Weihnachtszeit (Ben Glaetzer Nightkamen wir ja schon in den Genuss der Menübox aus der Vesttafel in RE. Die hatte uns auch schon begeistert. Im Vergleich dazu war die Nelson Box nochmal einfacher in der Zubereitung. Bei den insg. 5 Gängen beschränkte sich die Komplexität des Zubereitens auf das geschickte Aufschneiden der vakuumierten Beutel, gefolgt von dem gewissenhaften Entleeren selbiger. Wer Erfahrung hat mit dem restlos entleeren von Zahnpastatuben, kann diese Technik hier sofort genussfördernd anbringen. Bloß nix in den Tüten zurück lassen.....
Einzige Ausnahme im kompletten Menü: das Ausbraten der Teigblättchen zum fertigen Kroepoek. Hurra, die Pfanne kommt zum Einsatz. Und zwar für ganze 15sec ! 
🤣. Mist schon fertig 🙄.


Naja, aber so hatten Martin und ich trotzdem einen vergnüglichen Abend in der Küche. Das Essen war geschmacklich ein Hochgenuss, auch wenn uns das Anrichten zugegebenermaßen nicht so elegant geglückt ist. Wir sind halt keine gelernten Köche. „Martin, wenn wir in Rente gehen sollten wir über ein Praktikum bei Nelson Müller nachdenken. 14Tage am Tresen vor den Infrarotstrahlen stehen und den Profis beim Arrangieren der Teller zuschauen würde helfen“.
Bis dahin machen wir einfach beim Essen die Augen zu. Ist auch besser so, man kann sich ganz auf das Tasten, das Schmecken und die Kaugeräusche der Tischnachbarn fokussieren 
🙄.

Ich hör jetzt mal auf zu Labern und komme mal zum Menü:
Brot mit gesalzener Butter als Amuse ist ok. Klar klingt Tomaten Ciabatta mit Bio Butter von Brot & Butter Koryphäen viel besser, auch wenn uns die Namen der Koryphäen völlig unbekannt sind.
Der absolute Kracher des Menüs waren die dann folgenden konfierten Garnelen auf einem Avocado-Mango-Chutney und einer sau leckere Sesammayonnaise. Das Kroepoek störte nicht.
Auf Platz zwei der Beliebtheitsskala landete das Boeuf Bourguignon zusammen mit dem SpeckKartoffelPüree.

  

 Unsere Weinauswahl – aus unserem eigen Keller - war mal wieder eine Mischung aus Neuankömmlingen und Bewährtem. Positiv überrascht haben uns an diesem Abend der Arneis von Roberto Sarotto und der Fat Baron. Mit dem Arneis gelingt es La Zerbetta eine schwierige Traube, die früher nur dazu verwendet wurde den kostbaren Nebbiolo vor dem Vogelfrass zu retten, in einen tollen süffigen Sommerwein zu verwandeln. Der Fat Baron ist ein Gemeinschaftswerk von Jaime Quendera und Baron van Zeller, dem Eigentümer der Quinta do Noval. Fat Baron macht seinem Namen alle Ehre – ein extrem körperreicher Wein. Zwei günstige Weine mit Genusspotential. 

Mit unseren Liebingswinzern aus dem Barossa Valley und dem Ribera del Duero beschließen wir einen gelungen „Koch“-abend der anderen Art.

Roberto SarottoLa Zerbetta, Arneis, Langhe, 2020, 7,85€.
Ein netter, frischer Weißwein als Menüauftakt. Arneis kann mitunter etwas muffig rüberkommen. Dieser hier ist - gut gekühlt - lecker frisch und süffig. Birne und Kräuter. 8,7.

Montes Alpha, Merlot, 2018, 15,73€.
Die Nase ist bis zum Anschlag voll mit Cassis und JoBeere. Dieser extrem intensive Duft hält an bis Flasche leer. Im Mund ist der Wein dann leider zu eindimensional. Wegen des extremen Beerendruck sind andere Noten kaum erkennbar. 7,0.

Casa Ermelinda Freitas,
 Fat Baron, Shiraz, Peninsula de Setubal, 2018, 8,95€.
Dieser Wein war die Überraschung des Abends. Kräftige Vanille gepaart mit Fruchtsüsse (Pflaume, Himbeere) und ein wenig Schokolade. Dazu etwas Pfeffer und Kräuter. Für den Preis ein sensationeller Wein. 9,4.

Ben Glaetzer, Bishop, Barossa Valley, 2017, 23€.
Na ja der Wein ist natürlich wie immer eine Bombe. Ein reinrassiger Shiraz mit intensiven Noten nach dunklem Obst, Pflaume und Schokolade. Lang und druckvoll. 9,7.

Aalto, Aalto, Ribera del Duero, 2016, 35€.
Auch im seinem 5ten Jahr ist und bleibt der 2016er Aalto einer unserer Benchmarkweine. Extrem ausdrucksstark und differenziert. Komplex, voluminös und doch geschmeidig. Beerenkompott, Toffee, Lakritz, Kaffee, noch ein Glas bitte. 10,0.