Mallorca Feeling - Juli 2020

Die 12te Tour ... wird sie die letzte sein?

Wir beginnen unser Urlaubstagbuch mit: Es war einmal ... und das zum zwölften Mal !

  

Tag 1)
Ankunft bei - wie immer - geilem Wetter. Unsere Behausung in diesem Jahr liegt wieder in Küstennähe im Hinterland von Alcudia und bietet von der Terrasse einen irren Blick auf das Tramuntana Gebirge. Wir freuen uns auf den ersten Sonnenuntergang 🤗.

Traditionell kaufen wir am ersten Tag den Al Campo leer um, gefühlt für die nächsten 3 Wochen, alle Lebensmittelvorräte auf Lager zu haben.....irgendwie reichen die dann aber doch immer nur für ein paar Tage....ich denke wir essen im Urlaub einfach mehr als zu Hause 😉.

Am ersten Tag war noch keine Gelegenheit Mallorcas Weinhändler No1 aufzusuchen. Also begnügen wir uns mit ein paar Weinen aus dem Weinsortiment dieses riesigen Lebensmittelmarktes. Irgendwie müssen wir ja das Wochenende überbrücken.

Den ersten Abend begehen wir mit einen Kartoffel-Gemüseauflauf mit Parmesankruste und ein paar gegrillten Rindersteaks. Dazu gibt´s den ersten Sonnenuntergang über dem Tramuntana Gebirge. Wir genießen den 

 

La Garnatxa Fosca del Priorat (2018) vom Proyecto Garnachas aus dem Priorat (11,35€).
Den Wein kennen wir vom letzten ProWein Besuch 2019.... 

Auch wenn Der Wein nicht in die Weinreihe unserer diesjährigen Verkostung gehört, hatten wir mit unserem ersten Dinner unter freiem Himmel den perfekten Start in unseren Genussurlaub. 

 

Das Jahr 2020 steht unter dem Motto: Best of Holidays 2009 - 2019.

 

Die passende Liste mit den Siegerweine der letzten 10 Jahre liegt bereit. Insgesamt umfasst die Liste die 28 besten Weine aus 10 Jahren Mallorca Finca Urlaub. Wir werden diese Liste nicht komplett abgearbeitet bekommen. Dafür reicht der Urlaub dann leider doch nicht aus. 

Trotzdem verspricht es spannend zu werden. Ein Urlaub ganz ohne schlechten ... ach was: ganz ohne mittelmäßigen Wein! 

 

Tag 2)

Der erste Besuch erscheint auf unsere Finca. Nach einem slomo day am Pool grillen wir uns ein wenig warm und schrauben so langsam die Weinqualität im Glas nach oben.

Bodegas Numanthia, Termes (2016), Toro (19,50€).
Der Termes - oder auch der kleine Numanthia - ist da schon eine ganz andere Nummer. Dicht gewebt, fruchtig und würzig. Nachdem der Proyecto Garnacha nicht dazu geeignet war uns ins Urlaubsfeeling zu katapultieren, sind wir mit dem Termes jetzt angekommen. Ein voluminöser, fruchtig, herzhafter Wein ganz nach unserem Geschmack 😊😊. Neben der Frucht spielen da Lakritz, Kräuter, Schoko und Vanille an meinem Gaumen. 9,6

La Rioja Alta, Vina Ardanza, Reserva (2010), Rioja (21,68€).
Leichter Rioja mit fruchtiger Note.  Benötigt etwas Zeit zum Atmen und zeigt sich dann vielschichtig & würzig, mit insgesamt sehr fruchtiger Dominanz. 9,4.

 

Tag 3)

Wir leiden unter dem Baulärm auf den Fincas in der Umgebung. Corona und alle renovieren. Deshalb nix wie weg hier und auf zu Catavinos. Wir kaufen ausschließlich Verkostungssieger der Jahre 2009-2019. Natürlich müssen wir auch dieses Jahr wieder ein paar unserer Sonderwünsche im Zentrallager abholen. Mit vollgepacktem Kofferraum und guter Laune geht's von Palma zurück Richtung Finca. Auf dem Weg dorthin kehren wir dann noch beim mallorquinischen Wein Tuner JP ein. Es gibt dieses Jahr tatsächlich mal wieder einen neuen Jahrgang des legendären JP. Wir nehmen den 2012er mit.

Der Abend des 3te Tages unsere best of Serie wurde ein ungewöhnlicher Weinabend. Einer unserer aktuellen Lieblinge ist leider schon über den für uns optimalen Genusspunkt hinweg und erfüllt nicht ganz die Erwartungen. Einer unsere all-time Malle Favoriten enttäuscht. Nur die Bodegas Mauro strahlt an diesem Abend ähnlich helle wie die Sterne am spanischen Nachthimmel.

Alto Moncayo, Veraton (2012), Campo de Borja (31,40€).

Leider ist dieses Exemplar des 2012er am Ende seiner Lebenszeit angekommen. Damit bietet er nicht mehr die Ausdruckskraft und Elastizität seiner Jugend. Leicht bräunlicher Rand im Glas. Reifes Bouquet nach Speck. Die morbide Nase ist stabil und verändert sich im Verlaufe des Abends nicht. Im Mund gewohnt dicht und zupacken. Maskulin. Wenig Frucht. Der Wein ist immer noch extrem powerfull und dicht. Trotz des hohen Alters macht das Zeug immer noch Spass … allerdings nur mir. Meine Frau ist raus. 9,5.

Bodegas Mauro, Mauro, Cosecha (2017), Castillia y Leon (33€). 
Intensive Fruchtnase, dichter Rotwein. Im Vgl zum 2012er Moncayo deutlich fruchtiger und maskuliner zugleich. Mehr Substanz.  Nach 1h an der Luft....das Zeug schmeißt mich weg. 9,8.

Jaume Puntiro, BUC (2016), Santa Maria del Cami (14,50€).
Cassis und Speck. Mineralisch und fett zugleich. Aktuell deutlich zu viel Tannin. Der Wein hat mal auf alle Fälle noch Potential. Perfekte Trinkreife voraus in 3-4 Jahren - gut Lagerbedingungen vorausgesetzt. Ein absolut geiler Wein. Erinnerung an unserer ersten Malle Jahre werden wach .... Wehmut...Leider ist die aktuelle Ausgabe deutlich Tannin lastig. Auch am nächsten Tag sind die Aromen immer noch vom Tannin überlagert. Schade. In vergangenen Jahren war der BUC immer eine Bank und nach 4 Jahren Reifezeit immer perfekt genussreif. 8,5.
PS: Abhilfe findet man, wenn man den Wein vor dem Genuss 4x nacheinander dekantiert. Danach sind große Teile des Tannins verschwunden und die Beerenaromen kommen zur Entfaltung .... aber wer dekantiert seinen Wein schon viermal vor dem Genuss.

Tag 4 und 5)

 

Unser Hausherr züchtet eigene Tomaten auf dem Grundstück. So kommen wir in den Genuss des wohl besten Tomaten-Büffelmozzarella Tellers aller Zeiten. Eine perfekte Beilage zum Grillfleisch und ein Ansporn für unsere Hobby-Tomaten-Züchter Tom und Sabine.

Wir bewegen uns in den nächsten 2 Tagen nur zwischen Küche, Pool und Grillecke hin und her. Es hat fast etwas von Klosterleben: nur Brot und Wein ;-)  und ein paar Steaks und ab und zu ein bisschen Schwimmen. 

 

Vall Llachembruix (2016), Priorat (20,30€).
Intensive Beerennase. Volles Volumen. Beerig, maskulin, ausgewogen. Deutlich mineralischer und fruchtiger als der Mauro. 9,8.

Bodegas San Roman, San Roman (2015), Toro (30,50€).
Maskuline Powerbombe. Frucht ohne Ende, gepaart mit extremer Würze. Das Zeug ist extrem voll und dicht. Ein fast perfekter Wein. Unendlich lang. 9,9.

Anima Negra, AN/2 (2017), Felanix (Mallorca)(19€).
Leichter Mallorquiner mit toller, fruchtiger Note. Super süffig, super lecker. Pflaume, Nougat, würzig. Exzellentes Preisleistungsverhältnis. Insgesamt etwas differenzierter und vielschichtiger als der Termes. 9,6.

Anima Negra, AN (2017), Felanix (Mallorca)(45,80€).
Deutlich maskuliner und dichter als sein kleiner Bruder. Extraktreicher Beerengenuss mit einem Hauch Schokolade. 9,7.

Jaume Puntiro, JP (2013), Santa Maria (Mallorca)(34€).
Das Kontrastprogramm. Intensive Beerennase. Volle BullPower. Kommt dem BUC nahe, ist aber deutlich wuchtiger. Viel Bitterschokolade, wenig Obst. Insgesamt ist aber auch der JP deutlich zu tanninlastig. Der Wein muss zwingend dekantiert werden oder Extrem-Schütteln .... Aber auch dann dominiert das Tannin zu stark für eine hohe Bewertung. Insgesamt kann JP nicht an die Klasse früherer Jahre anknüpfen. Schade. 8,7.

Tag 6)

Der 6te Tag stand unter dem Eindruck des Besuchs bei unserem Lieblingsweingut auf Mallorca:  Oliver Moragues

 

Tag 7 und die ganze nächste Woche:

 

In den nächsten Tagen gab´s das übliche Urlaubsprogramm mit Strand, Pizza in Alcudia und diversen Kochabenden auf der Finca. Also der normale ereignislose, aber total entschleunigende Urlaub. Freunde reisen ab und wir entschleunigen noch mehr … nach 3 Tagen übermannt mich die Langeweile. Vor lauter Entschleunigung verlerne ich fast das Laufen ;-). Na ja, genauer gesagt verlerne ich fast das Kochen. Wir suchen in den nächsten Tagen all unsere Lieblingsrestaurants auf der Insel auf. Gott-sei-Dank gab es genug zu Essen und ausreichend Wein zu begutachten.

 

Der wohl beste Weinabend des diesjährigen Urlaubs endete nach einem Ausflug zum völlig menschenleeren Cap Formentor – ja genau. Das Cap Formentor sehen wir zum ersten Mal in all den Jahren menschenleer. Natur kann so schön sein - mit dieser völlig abgefahrenen Weinauswahl:


Abadia Retuerta, Seleccion Especial (2016), Sardon de Duero (25,90€).
Da kommt ein absoluter Kracher ins Glas. Ein Wein der aktuell auf dem Gipfel seiner Balance zwischen Beerenintensität und Würzigkeit steht. Ein absoluter Traum in Rot. Dicht, geschmeidig, mouthfilling, sau lecker. 9,7.

Cims de Porrera, Vi de Vila Porrera (2014), Priorat (17€).
Im Vgl. zum Abadia deutlich maskuliner. Benötigt mind. 1h Luft um sich voll zu entfalten. Ist dann extrem würzig, mit gut eingebundener Beerennote. Lang. 9,6.

AALTO (2017), Ribera del Duero (45€).
Der perfekte Tag endet mit dem perfekten Wein.....ist das Leben schön!! 10,0.

Mehr zum Aalto gibt’s übrigens hier.

Sierra Cantabria, Vinedos de Paganos, El Puntido (2016), Rioja (35€).
Nicht überraschend ist das Zeug der Wahnsinn. Von diesem Weingut kommt auch der von uns schon mehrfach verkostete und unschlagbare La Nieta. Zurück zum El Puntido:  Das Zeug ist derart intensiv in der Nase, dass meine Knospen total überfordert sind. Ein reinsortiger Tempranillo mit irren Kirsch- und Brombeeraromen, sowie einer intensiven floralen Note. Der Wein ist dicht, komplex, vielschichtig. Eine Wucht. Geht eigentlich mehr als 10 Pkte? Mist. 10 ++.

Ob dieser Abend noch mal zu toppen ist wissen wir nicht. Aber es gilt auf alle Fälle das Motto: "Wenn isch Tausend levve ze levve hät, isch wörd dä wing emmer widder drinke".

 

Ich sach mal so, diese Genusswollust konnte mit so ziemlich der gleichen Aromaklasse wiederholt werden. An einem der folgenden Abende gab es mal mind die gleiche Kombination absolut magischer Weine. 


Oliver MoraguesOM Seleccion (2018), Binicomprat (30€).

Sehr elegant, sehr magisch. Bringt uns im Vgl zum OM500 aber nicht mehr Spass ins Glas.
9,6.

Garmon Continental, Garmon (2014), Ribera del Duero (39,80€).
Gegen den Garmon hat es die OM Seleccion schwer. Der Garmon ist im direkten Vgl deutlich intensiver und dichter. Beere, Würze, Schokolade nehmen Mund und Nase vollständig in Beschlag. Da passt nichts mehr dazwischen! Ausgeprägte Maskulinität. Und all das vom ersten Moment, bis zum letzten Schluck. 9,9.

Mein Sohn wählt als dritten Wein des Abends den Alaya Tierra. Mist, da kann ich mir das Beste doch nicht bis zum Schluß aufheben. 

Bodegas Atalaya, Alaya Tierra (2017), Jumilia (22€).
Hatten wir bis dato den El Puntido ganz vorne in der Hitliste gesehen, müssen wir jetzt doch noch mal korrigieren. Die Familie Gil ist bekannt für ihre ausdrucksstarken, maskulinen, aber immer trinkfreudingen Weine. Und so ist auch in diesem Jahr (zumindest nach 1 Wo) der Alaya Tierra ungeschlagen. Unglaublich dichter Beerenkompott, gepaart mit irrer Würzigkeit und maximaler Länge. Der Wein ist mir fast unheimlich. Auf jeden Fall ist er unheimlich lecker. 10,0+++. Zu viele Sterne, ich muss hier mal korrigieren ;-)

 

Fisch auf Mallorca gehört immer noch zu unseren Highlights. In diesem Urlaub habe ich mich ein paar Mal an Escabeche versucht. Escabeche ist eine Art Fischsuppe. Die Basis bildet ein Hühnerfond, der pikant mit Pfeffer, Salz, Essig und etwas Oregano gewürzt ist. Dazu kann man beliebige Gemüse geben. Nach einigen Versuchen endete das bei uns mit frischen Tomaten aus dem eigenen Garten, Zucchini, Paprika, Staudensellerie und Frühlingszwiebeln. Alles Gemüse in mundgerechte Stücke geschnitten und dann entweder unter dem Grill oder in der Pfanne anrösten, bevor es zum Hühnerfond gegeben wird. Lecker. Von der Konsistenz her hat es mehr was von einem Gemüseeintopf. Auf einen Teller Escabeche gibt man dann einen beliebigen Fisch nach eigener Geschmacksvorliebe. Wir haben uns für gegrillten Lachs entschieden. 

Und dazu gab es den für uns wohl besten Weißwein Mallorca´s:


Oliver Moragues, OM Blanc, 2019, 16€. 
Mirabelle, Birne, Kräuter, Almdudler. Unendlich cremig und frisch. Wir genießen den OM blanc zur Fisch Escabache. Der Wein ist der perfekte Urlaubsbegleiter. 9,7.

Binigrau, Nounat (2019). 16,90€.
Die Cuveé aus Prensal Blanc und Chardonnay ist wie immer extrem frisch. Birne & Vanille. Netter süffiger Sommerwein. 9,4.

Bodegas Ribas, Sio (2017). 19,95€.
Geiler Wein. Super creamy. Kirsche. Voluminös. Deutlich reifer als der 2018er, welchen wir auf dem Weingut verkosten durften. 9,8.

Artadi, El Seque (2016), Alicante. 24€.
Ein feiner Wein als Abschluss eines feinen Abends. Wir speisen mal wieder in einem unserer Lieblingsrestaurants, dem Fusion19. Konzentrierter Fruchtkompott (Pflaume, Kirsche), gemischt mit Zartbitterschokolade. Sehr präsent, aber leise. Immer noch einer unsere Lieblinge aus der Alicante Gegend: Wein mit Understatement. 9,8.

 

Zum Ende der 2ten Woche ging es dann noch zu einer Premiere die schon seit längerem geplant war:

Ein Besuch auf der Bodegas Ribas.

 

 

Nach einer Woche Tiefenentspannung näherte sich mit riesigen Flügeln am Himmel endlich Abwechslung. Mit Freunden Kochen und in den schier unendlichen Aromen spanischer Weine versinken  macht dann doch mehr Spaß als dauerhaftes rumliegen 🤗.

 

Am nächsten Abend lege ich dann endlich mal wieder los mit 12 perfekt gegrillten Entrecote Balear und unserer Lieblingsbeilage Kartoffel-Möhre-Zwiebel-Crumble. 

Getränketechnisch stand der Abend unter dem Motto: „Eine kleine aber feine Mallorca Runde“.
 

So gönnen wir uns erneut den Sio von der Bodegas Ribas (2018, 19,80€). Der 2018er ist rund und elegant. Die Kirsche dominiert. Insg. ist er aber noch nicht so perfekt ausgereift wie der 2017er. 9,5.

Auch der Brutus kann seine Qualität von unserem Besuch auf der Bodegas Ribas bestätigen (2017, 25€). Volle Kirschexplosion in der Nase, etwas weniger weich und ausdrucksstark als der Sio. 9,4


Na ja und dann müssen unsere Freunde natürlich auch unseren. Neuen Liebling verkosten. Die La Faula von 
Oliver Moragues. Der 2019er (10,80€) zeigt eine ähnliche Eleganz wie der Sio. Allerdings ist der La Faula deutlich ausdrucksstärker. Der Wein hat eine irre Kraft. Diese holt er aus seiner unglaublichen Fruchtvielfalt, ohne dabei mit Tanninen klotzen zu müssen. 9,7.


Da wir nun mal im Nordosten der Insel weilen, wird es Zeit nach einigen Jahren der Abstinenz mal wieder einen Lokalmatador auszuprobieren. Wir entscheiden uns für die Bodegas Mortitx und nehmen uns den L´U Negre, 2017 (26,50€) zu Brust, bzw zu Nase. Zu Beginn haut uns der Wein mit einer Hammer Frucht und wahnsinnig intensiver Vanille in der Nase vom Sonnendeck. Auch im Mund ist das Zeug dicht, zupackend und voller Power. Sagte ich schon, dass da auch noch Rumtopf ist…. Die Cuveé aus Cabernet, Merlot und Syrah ist kein typischer Mallorquiner, sondern ein internationaler Wein. Im ersten Moment ist das locker eine 9,8. Doch dann …. nach 2h an der Luft verliert der Wein leider enorm an Aussagekraft. Der Verlust an Brillanz ist so intensiv, fast schockierend, dass wir die hohe Bewertung als Schlussnote leider nicht halten können. Am Ende kommen wir zum gleichen Ergebnis, welches wir schon dem 2009er auf unserem Finca Besuch in 2013 zu Teil kommen lassen mussten. 9,2.

 

Und dann ist es soweit, wir nähern uns dem Ende unseres Urlaubes … leider … also, gut dann ist es Zeit für den großen Finalabend:

 

"The Night of the Proms" - oder - "Der Direkte Kampf der beiden Platzhirsche aus dem Ribera del Duero" :

Das wollten wir immer schon mal machen. Einen direkten Vergleich der beiden Legenden des Ribera del Duero. 

 

Vega Sicila ist nicht einfach nur ein Weingut, sondern ein Mythos. Das 1864 gegründete Weingut liegt in der Nähe des Duero. Vega Sicilia gelang es seine Weine im spanischen Königshaus zu platzieren. Das Weingut verschenkte die ersten Ausgaben seines Unico an das Königshaus und sorgte so für seine Etablierung als „Must-have“ in der Weinwelt. Der Familie Álvarez Diaz gelang es ab 1982 das Weingut gezielt zu seinem heutigen Weltruf zu führen. Mit dem Unico Reserva Especial verfügt das Weingut wohl über eine der ungewöhnlichsten Weine die ich kenne. Die Weine stehen für Eleganz, geschmacklichen Reichtum, Komplexität und eine schier unendliche Langlebigkeit. Dem Weingut ist es gelungen, dass alle Weinkritiker auf unserem schönen Globus, diesem Weingut die gleiche Hochachtung erweisen. Tempranillo-Benchmark Weine, die regelmäßig volle Punktzahlen abräumen. Und na klar bin auch ich schon seit Jahren diesem Mythos verfallen und träume meistens nur von diesem Wein, den leisten kann man sie sich kaum….wie gesagt meistens 😊😊Fährt man über die N-122 am Weingut vorbei, so spürt man wie der Mythos lebt. Direkt an der Straße liegt das Weingut kaum sichtbar hinter einer üppig grünen Wand eines Mini-Wäldchens. Das Eingangstor versperrt neugierigen Wein-Wegelagerern mit Wachmann und Schranke den Zutritt.

 

Und der Herausforderer? Na das kann ja nur der nette Nachbar sein. Nur ca fünf Autominuten entfernt liegt der wohl härteste Konkurrent der Vega S. Die Bodegas Aalto. Einer unsere Lieblingsweine … und das schon seit Jahren. Erst 1999 von Mariano Garcia gegründet, hat der ehemalige Weinmacher der Vega Sicilia ein echtes Konkurrenzprodukt fast in Sichtweite zu seiner ehemaligen Wirkungsstätte erschaffen. Weil ihm sein Ruf vorauseilt, oder wegen der enormen Qualität die Garcia innerhalb kürzester Zeit auf seine Flaschen gebracht hat wird er mittlerweile genauso in den Weinhimmel gelobt wie die Weine seines Nachbarn. 

 

Vega SicilaValbuena 5, 2014, Cosecha, Ribera del Duero (137,80€).
Intensive Kirsche, weich, strukturiert. Feiner als der Aalto. Benötigt einige Zeit im Glas, kommt dann aber mit irrer Kraft. Der Wein ist nach Stunden des Vergleichs zugegebenermaßen doch etwas feiner und eleganter als der Aalto. Er zeigt mehr Struktur und differenzierte Noten. Das Aromenspiel ist vielfältiger und langanhaltender. Valbuena ist der Gentleman und Aalto mehr der laute Kraftprotz. Wem man im direkten Vergleich der beiden Weine die höhere Bewertung gibt ist reine Geschmacks- und wie immer Emotionssache. Der Valbueno benötigt viel Zeit und man selber viel Geduld das Zeug nicht sofort weg zu schlabbern. Nur dann wird man Zeuge der unglaublich starken Eleganz und Vielschichtigkeit. Aus diesem Grund würden wir den Valbuena einen Hauch höher bewerten. Ausschließlich wegen des unverschämt hohen Preises müssen wir Abzüge machen. 9,8.

Wir begnügen uns mit der einfachen Variante des Weinguts: Aalto2016, Ribera del Duero (32€).
Super intensiv, dicht und tiefgängig. Reife dunkle Beeren, schöne Würze und Mineralität. Voluminös, seidig und lang anhaltend. Tolles Aromenspiel im Mund bei zugleich seidiger Struktur. Im Vergleich zum Valbuena fehlt ihm etwas die Eleganz und Vielschichtigkeit. Er ist aber der deutlich dichtere Wein. Der Aalto bleibt auch nach Stunden stabil ! Für uns ist der Aalto eine perfekte Kombination aus Kraft, Struktur und Ausdruck. 10,0.

 

Ein letzter Kochabend und eine vorletzte Flasche. Wir gönnen uns das Spitzengewächs der Bodegas Ribas:

Bodegas Ribas, Ribas de Cabrera, Negre, 2018, Binisalem (70€).
Cuvée aus Mantonegro und Syrah. Ein leckerer und dichter Mallorquiner. Im Mund viel Kirschkompott. Der Wein ist samtig und gefällig. Bei dem Preis fehlt uns allerdings Länge und Ausdruckskraft. 9,4.

 

Am letzten Tag packen wir alles ins Programm was traditionell zu unserem Mallorca Aufenthalt gehört: ein letzter Besuch an unserer Lieblingsbucht mit dem schon ins Gehirn eingebrannten Blick in den Sonnenuntergang auf dem Meer. Im Hintergrund die Küstenline mit seinen Hügeln von Alcanada auf der einen Seite und Colonia de Sant Pere auf der anderen Seite.
Ein letzter Besuch unser Lieblingspizzeria in Alcudia. Wir geniessen die italienische Küche unter spanischen Himmel und die komplette Mannschaft des Sa Casetta verabschiedet sich von uns bis nächstes Jahr....ein letztes Foto am obligatorischen Torbogen von Alcudia. 
Eine letzte Flasche Wein unter freiem Himmel am Pool. Die Sierre de Tramontana setzt sich nur noch schemenhaft vom Firmament ab….   

Bodegas Teso la Monja, Almirez, 2016, Toro (15€).
Der Almirez ist ein weicher, gefälliger Rotwein. Passt perfekt zu einem TBone Balear, oder einfach nur so als Absacker unter Mallorcas Sternenhimmel. Cremig, fruchtig. Brombeere, Tabak, Kakao. Eigentlich ein Wein außerhalb jeglicher Konkurrenz. Der Almirez gehört genau wie der OM zu unseren traditionellen Genussbegleiteren der letzten Jahre. 9,5.

 

Wir müssen einfach wieder kommen 🤗 🤗